Familientradition: Walnusslikör aus handgepflückten grünen Walnüssen

by Madam Rote Rübe
Madam Rote Rübe - Walnusslikör aus handgepflückten grünen Walnüssen

Zu Großelterns Zeiten

Meine Großeltern besaßen einen wundervollen Walnussbaum, der mit seiner riesigen runden Krone ausladend vor ihrem Gemüsegarten stand. Jedes Jahr traten wir Kinder darunter, legten unsere Köpfe weit nach hinten und schauten empor nach den kleinen grünen Bällchen.

Zur Reifezeit sammelten sie die wertvollen Nüsse dann ein, die nach und nach vom Baum fielen. Im Heizungsraum auf Horden gelegt zum Trocknen, schüttete Oma sie später in sogenannte Zwiebelnetze, die sie erhöht aufhing, damit keine unwillkommenen Nagetiere sich an der kostbaren Ernte laben konnten.

Ja, und dann gab es in beschaulicher Runde Abende, an denen gemeinsam Nüsse geknackt wurden, die vorzugsweise in Kuchen, Salaten und als Snack auf den Tisch kamen.

Familientradition: Walnusslikör aus handgepflückten grünen Walnüssen

Ihr ganzer Stolz

Doch der größte Stolz meiner Oma war ihr selbstangesetzter dunkelgrüner Walnusslikör. Wer sie besuchte, kam selten ohne ein Gläschen Nusslikör zur Haustür heraus. Ein aromatisch würziger Likör, dessen feines bittersüßliches Aroma viele überzeugte. Vielleicht lag es auch daran, dass der Likör bei einer Temperatur von etwa 18°C in ihrem Vorratsraum lagerte und sie ihn in ihren speziellen bauchigen Likörgläschen servierte.

Meine Mutter bevorzugt ein altes Rezept für Nusslikör aus dem „Kochbuch für Koch- und Haushaltungsschulen“ von E. Wundt, A. Rothmund u. M. Künzler im Selbstverlag 1927. Gerne nutzt sie es als Inspirationsquelle, um es dann frank und frei in die heutige Zeit zu adaptieren.

Und wirklich, als ich sie die Tage besuchte, standen schon zwei große Gläser angesetzter grüner Walnusslikör am sonnigem Fenster. Wahrscheinlich tritt sie jetzt in die Fußstapfen von Oma und ich komme jetzt, leckerschlecker, öfters in den Genuss eines Walnusslikörs.

Folgendes für Walnusslikör ist zu beachten

Nach alten Überlieferungen sollen die jungen Nüsse für Walnusslikör bis zum Johannistag, dem 24. Juni, geerntet werden. Je nach Region können die Nüsse auch später geerntet werden. Du merkst es, wenn die innere Schale zu hart geworden ist und das Messer seinen Weg nicht mehr durch den Fruchtkörper findet. Ziehe unbedingt Handschuhe an, denn der braune Gerbstoff verfärbt Dir für Wochen die Finger.

Bei dem Rezept lass ruhig Deine Phantasie walten, verwandle es je nach Geschmack, manche mögen es süßer, andere lieben es bitter oder zitronig, während der Nächste auf Kardamon schwört.

Madam Rote Rübe - Walnusslikör aus handgepflückten grünen Walnüssen

Grüner Walnusslikör

Zu Großelterns Zeiten Meine Großeltern besaßen einen wundervollen Walnussbaum, der mit seiner riesigen runden Krone ausladend vor ihrem Gemüsegarten stand. Jedes Jahr traten wir… Küchengeschenke Familientradition: Walnusslikör aus handgepflückten grünen Walnüssen European Drucken
Nutrition facts: 200 calories 20 grams fat

Zutaten

1,5 l Doppelkorn 42%
750 g grüne Walnüsse
1/2 Stange Vanille
1 Stange Zimt
1 MSP Muskatblüte
4 Wacholderbeeren, zerdrückt
4 Gewürznelken
1/2 Bio-Orange Schale dünn abschälen und zugeben
250 g Zucker
300 ml Weißwein

So geht es

Grüne Nüsse, welche etwa an Johanni gepflückt werden, schneidet man nach dem Waschen in möglichst kleine Stücke und stellt sie samt dem Doppelkorn in einer Korbflasche oder in einem gut verschließbarem Glas vierzehn Tage an die Sonne.

Die Nüsse herausnehmen, Gewürze und Orangenschale in den Alkohol geben und nochmals acht Tage stehen lassen.

Den Likör filtrieren. Den Zucker mit dem Weißwein klar kochen und erkalten lassen. Nun den Likör mit dem erkaltetem Zucker vermischen.

Nach zwei Tagen wird der Likör nochmals filtriert und in Flaschen abgefüllt.

Für mehrere Monate nun kühl stellen. Je länger er reift, umso köstlicher und vollmundiger ist sein Aroma. Zur Weihnachtszeit genießt Du dann dieses exzellente Tröpfchen oder füllst es zum Teil in kleine besondere Flaschen*  als außergewöhnliches Geschenk um.

Jetzt an Weihnachten zu denken, fällt schwer, doch wenn ich an die herrlichen Likörchen denke, die wir dann genießen oder verschenken können, plane ich doch schon gerne vor.

Welche Projekte nimmst Du Dir früh im Jahr für Weihnachten vor?
Und beachte, ein kleines Likörchen kann niemand verwehren,
alles Liebe Deine

 

 


 

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12 Kommentare

Tanja Foodistas 1. Juli 2015 - 9:59

Liebe Madam Rote Rübe,
was für ein tolles Rezept. Ich habe mir die grünen Walnüsse für "schwarze Nüsse" pflücken lassen, aber wenn ich dein Likörchen hier sehe werde ich ganz neidisch und bin ganz entzückt.
Einfach toll und so alt überlieferte Rezepte gefallen mir eh am besten!
Liebe Grüße
Tanja

Antworten
Madam Rote Rübe 1. Juli 2015 - 10:42

Liebe Tanja,
vielen herzlichen Dank. Ich habe doch gleich mal nachgeschaut, was es mit schwarzen Nüssen auf sich hat. In Sirup eingelegte grüne Nüsse, eine ganz besondere Delikatesse. Das Schöne an den alt überlieferten Rezepten ist, dass wir sie heute verfeinern dürfen und von den früheren Erfahrungen profitieren können.
Viele liebe Grüße
Madam Rote Rübe

Antworten
Lecker muss es sein 3. Juli 2015 - 21:15

Hört sich lecker an, den würde ich auch gerne mal probieren…

Antworten
Madam Rote Rübe 4. Juli 2015 - 6:05

Lieber Sascha,
vielen Dank. Ich bin auch schon gespannt auf das liebe Tröpfchen. Doch Geduld tut uns not, vor allem mir. Je länger die Ruhezeit umso besser das Aroma.
Dein wunderbares No-Knead-Bread habe ich nicht vergessen, es ist gebacken, probiert und steht schon in den Startlöchern. Demnächst hier, ich gebe Dir Bescheid.
Liebe Grüße
Sigrid

Antworten
Kochen mit Diana 4. Juli 2015 - 19:24

Hab auch ein Nusslikör angesetzt. Hab es aber ein bisschen anders gemacht. Bin gespannt ob was daraus wird.Bis ich es kosten kann, dauert es aber noch ein wenig.
LG, Diana

Antworten
Madam Rote Rübe 5. Juli 2015 - 7:42

Liebe Diana,
dann geht es Dir wie mir. Bis Weihnachten werde ich warten müssen, dann bekomme ich bestimmt ein Fläschchen Nusslikör von meiner Mutter geschenkt. Versprochen ist versprochen. Ich freue mich schon darauf.
Wie herrlich, dass es so viele verschiedene Rezepte und Geschmacksnuancen gibt, das ist ja das Schöne am Werkeln in der Küche. Lass mal hören, wie Deiner geschmeckt hat.
Liebe Grüße
Sigrid

Antworten
Ye Olde Kitchen 9. Juni 2016 - 9:24

Hach ich mag Walnuss-Likör total gern. Unser Traum ist es ja später einen alten, großen Walnussbaum im Garten stehen zu haben, dann wird selbstverständlich auch eigener Likör angesetzt. Vor ein paar Tagen haben wir bei Freunden im Garten den wuchernden Salbei gestutzt und von einem Teil der Salbeiblätter habe ich testweise ein Glas Likör angesetzt. Bin schon gespannt, wie er sich geschmacklich entwickelt.
Liebe Grüße, Eva

Antworten
Madam Rote Rübe 9. Juni 2016 - 14:35

Liebe Eva, ich wünsche Euch, dass Euer Wunsch bald in Erfüllung geht. Früher war es üblich, dass man auf seinem Anwesen auf dem Lande einen Walnussbaum stehen hatte, meistens in der Nähe zum Haus, da er durch den Duft seiner Blätter unliebsame Fliegen und Mücken fernhält. Und dann natürlich die köstlichen Nüsse. Salbeilikör klingt aber auch sehr interessant, lass mal hören, wie er Euch schmeckt.
Liebe Grüße Sigrid

Antworten
Simone 12. Juni 2017 - 10:29

Liebe Sigrid,
bei uns steht auch eine Ballonflasche davon im Vorratsraum, wenn auch fast leer, denn meine ist aus dem letzten Jahr. Der Likör ist aber auch lecker!
In diesem Jahr ist allerdings keiner geplant, weil uns die Eisheiligen einen Strich durch die Rechnung gemacht haben: Fast alle Obst- und Nußbäume haben etwas abbekommen.
Ab jetzt wird Likör rationiert! 😀
Liebe Grüße aus Schwaben
Simone

Antworten
Madam Rote Rübe 13. Juni 2017 - 6:03

Liebe Simone,
sei gegrüßt als Leidensgenossin, denn auch in unserer Westpfälzer Region sieht es mau aus. So gut wie keine Kirschen, Zwetschgen oder Walnüsse. Bedauerlich, hoffen wir, dass der Wettergott nächstes Jahr mitspielt, bis dahin gibt es bei uns Eierlikör….. lach.
Herzlichst
Sigrid

Antworten
Sofia 15. Juni 2018 - 8:47

Chere Madame,

Auch ich bin gerade durch die Walnüsse sehr inspiriert und da wir das Glück haben, einen alten Nussbaum im Garten zu „besitzen“ (Natur besitzen wir nicht, es ist ein Geschenk, daher die Anführungszeichen!), habe ich bereits mehrere Rezepte gesucht.
Nun die schwere Entscheidung: weisse oder schwarze Nüsse oder doch Likör? Es soll nicht allzu arbeitsintensiv sein… daher werde ich doch heuer auf die schwarzen Nüssen verzichten müssen.
Nun, ich bin eine Thermomix Hobby-Köchin und wollte hier fragen, ob es denkbar ist, die Nüsse im Thermomix zu zerkleinern anstatt sie per Hand zu schneiden. Ich finde das selber etwas brutal, die schönen Nüssen so zu zerkleinern aber es ginge doch wesentlich schneller und sauberer… Nachteil: sie werden grob zerstückelt und sehen nicht sehr schön aus, denke ich mir. Was meinst Du?

Danke für das Teilen des Rezepts und der Familiengeschichte! Ich würde mir sehr wünschen, meine Kinder habne in vielen Jahren auch solche Erinnerungen 🙂

Liebe Grüße aus der Steiermark! Sofia

Antworten
Madam Rote Rübe 15. Juni 2018 - 10:28

Liebe Sofia,
wenn du meinst, dass der Thermomix deine Nüsse relativ grob zerkleinern kann – nicht dass es in der Konsistenz wie Schrot wird – dann probiere es ruhig aus. Klar, schön anzusehen wird das Glas mit den eingelegten Walnüssen nicht sein, aber das Ergebnis zählt – ein feiner Walnusslikör.
Ich drücke dir die Daumen und wünsche viele schöne Erinnerungen an diesen Walnusslikör.
Liebe Grüße
Sigrid

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